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Handgeschriebenes Testament und Computer: Geht das?

23.05.2016 17:26

Dr. iur. Andreas Baumann
Fachanwalt SAV Erbrecht
Rechtsanwalt
und Notar

Aufgrund von Art. 505 Abs. 1 ZGB besteht die Vorschrift, dass von Hand geschriebene Testamente gültig sind, wenn sie von Anfang bis zum Ende eigenhändig geschrieben wurden. Das Bundesgericht hat sich kürzlich mit einem Fall befassen müssen, in welchem der Erblasser auf dem Computer „eigenhändig“ ein Testament verfasst hat, dieses dann ausgedruckt und mit seiner Unterschrift versehen hat. Es stellte sich die Frage, ob der Begriff des „eigenhändigen Testamentes“ auch mit der Computer-Schrift erfüllt werden kann.

Das Bundesgericht hat Art. 505 ZGB so ausgelegt, wonach der Begriff „eigenhändig“ ein persönliches Niederschreiben verlange, wobei der Erblasser das Schreibgerät selber führen und ein Schriftbild entstehen müsse. Das Selbstschreiben solle den Testierwillen unterstreichen, zudem könne ein eigenhändig geschriebener Text dem Erblasser weniger gut untergeschoben werden, als ein vorgedrucktes Dokument. Schon früher hat das Bundesgericht entschieden, dass ein Testament, welches mit Schreibmaschine geschrieben wurde, nicht gültig ist. Die strenge Formvorschrift von Art. 505 Abs. 1 ZGB will die Authentizität des Testamentes garantieren. Im Streitfall sind nämlich eigenhändig verfasste Texte einer kriminaltechnischen Schriftanalyse besser zugänglich als maschinengeschriebene oder bloss handschriftlich unterzeichnete.

Ein eigenhändiges Testament muss somit wie bisher mit einem Kugelschreiber oder Füllfederhalter geschrieben werden. Die Computertechnik ist somit kein Ersatz für das traditionelle Schreiben von Hand.

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