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Arbeitsplatzbezogene Arbeitsunfähigkeit

17.02.2016 07:39

ArztzeugnisMartin Strobel, Rechtsanwalt

Es ist fast schon ein Standard: Nach erfolgter Kündigung des Arbeitsvertrages durch den Arbeitgeber flattert nach wenigen Tagen das Arztzeugnis ins Haus, wonach der entlassene Arbeitnehmer oder die entlassene Arbeitnehmerin ab sofort zu 100% arbeitsunfähig sei. Es stellt sich in der Folge u. a. sehr oft heraus, dass der oder die entlassene ArbeitnehmerIn während der ärztlich bestätigten Arbeitsunfähigkeit aktiv und intensiv eine neue Stelle sucht. Damit kann das Konzept der Sperrfirsten sinnentleert werden: Die Sperrfrist dient dem Schutz der Arbeitnehmers/Arbeitnehmerin vor dem Verlust des Arbeitsplatzes in Zeiten, in welchen es schwer ist, während der Kündigungsfrist eine neuen Arbeitsstelle zu finden.

Bis vor wenigen Jahren wurde der zeitliche Kündigungsschutz (Sperrfristen) in solchen und ähnlichen stress oder anderweitig psychisch bedingten Fällen nie in Frage gestellt. Ab 2010 änderte sich dies. Wesentliche Autoren und Teile der Lehre gehen heute davon aus, dass die Sperrfristen in gewissen der vorgenannten Fälle nicht gelten. Die These ist zwar umstritten, aber kantonale Entscheide unterstützen sie in der Zwischenzeit. Das Bundesgericht hat sich dazu noch nicht geäussert, aber in einem Entscheid im Jahre 2013 immerhin schon eine gewisse Tendenz in jene Richtung angedeutet.

Ein Arztzeugnis, eingereicht nach der Kündigung oder wegen Burnouts oder anderer stressbedingter Krankheit kann, muss aber nicht per se schon die Auslösung einer allfälligen Sperrfrist bedeuten. Dessen sind sich auch heute noch sehr viele Arbeitgeber nicht bewusst. Es lohnt sich aber in jedem Falle, bei arbeitsbezogener, stressbedingter Arbeitsunfähigkeit zu prüfen, ob eine allfällige Sperrfrist tatsächlich anwendbar ist oder nicht.

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