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Fischzuchtanlagen in landwirtschaftlichen Betrieben

09.11.2015 06:22

FischDr. iur. Andreas Baumann
Fachanwalt SAV Erbrecht und Notar

Viele Landwirte möchten auf ihrem Landwirtschaftsbetrieb eine Fischzuchtanlage als Nebenerwerb in Betrieb nehmen. Dieses Vorhaben erweist sich jedoch im Kanton Aargau als schwieriges Unterfangen.

Meistens geht es um standardisierte Anlagen auf einer Fläche von rund 200 m2, welche in einen bestehenden Landwirtschaftsbetrieb integriert werden sollen. Dieser Umfang entspricht einer Jahresproduktion von rund 6 Tonnen Fisch pro Anlage. Die Auswirkungen auf Raum und Umwelt sind geringfügig. Fische sind bekanntlich sehr gute Futterverwerter und aus einem Kilogramm Futter entsteht fast ein Kilogramm Fischfleisch. Entsprechend sind auch die ausgeschiedenen Nährstoffe bescheiden. Durch eine solche Fischzuchtanlage entsteht praktisch kein zusätzlicher motorisierter Verkehr und die Anlagen können in bestehende, zum Teil nicht mehr genutzte Gebäulichkeiten integriert werden.

Fischzucht zählt nicht zur Landwirtschaft. Denn Fische gelten als Wildtiere. Wer gewerbsmässig Fische hält, braucht deshalb eine kantonale Bewilligung für gewerbsmässige Wildtierhaltung.

Da Fische gemäss der geltenden Landwirtschaftsgesetzgebung nicht zu den Nutztieren gezählt werden, sind Bauten und Anlagen für die Fischzucht in der Landwirtschaftszone nicht zonenkonform. Solche Anlagen gehören in eine Bauzone oder in eine dafür spezielle geschaffene Zone nach Art. 18 RPG. Andernfalls kann eine Fischzuchtanlage – bei Erfüllung der entsprechenden Voraussetzung – als nicht landwirtschaftlicher Nebenbetrieb im Sinne von Art. 24 b Abs. 1 RPG zugelassen werden.

Wer gewerbsmässig Speisefische, Besatzfische oder Panzerkrebse züchten will, muss über eine fachspezifische, berufsunabhängige Ausbildung nach Art. 197 der Tierschutzverordnung verfügen. Landwirte, welche eine Fischzuchtanlage betreiben wollen, müssen somit eine entsprechende Ausbildung absolvieren.

Das Mischfutter für Zuchtfische unterliegt den Bestimmungen der Futtermittelverordnung für Nutztiere. Die Verwendung von tierischen Nebenprodukten für die Fütterung von Nutztieren ist in der Verordnung für die Entsorgung von tierischen Nebenprodukten geregelt.

Speisefischhaltungen auf Bauernhöfen müssen nach Art. 21 der Tierseuchenverordnung registriert werden. Sie werden periodisch überwacht und entsprechend ihrem Seuchenverschleppungsrisiko periodisch beprobt sowie auf virale Fischseuchen getestet.

Die Vorschriften für den Betrieb von Fischzuchtanlagen in landwirtschaftlichen Betrieben ist somit ein schwieriges Unterfangen. Leider ist der Kanton Aargau, insbesondere bei der Prüfung der Einhaltung der zonenrechtlichen Vorschriften, besonders streng, im Gegensatz zu einigen Nachbarkantonen. Dieser Zustand ist stossend.

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