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Blockierte Erbengemeinschaften: wie weiter?

12.05.2015 07:17

WeckerDr. iur. Andreas Baumann
Rechtsanwalt und Notar

In der Praxis kommt es verschiedentlich vor, dass die Mitglieder der Erbengemeinschaft untereinander nicht einig sind, wie die Erbteilung vorbereitet und durchgeführt werden soll. Grundsätzlich ist es so, dass alle Erben Gesamteigentümer des Nachlassvermögens werden und somit nur gemeinsam und einvernehmlich handeln können. Sind mehrere Erben vorhanden, bilden sie eine Erbengemeinschaft. Mitglieder sind sämtliche gesetzliche und eingesetzte Erben des Erblassers, unter der Voraussetzung, dass sie die Erbschaft auch tatsächlich erwerben, sie also insbesondere nicht ausschlagen. Der Erbengemeinschaft bildet eine „Gemeinschaft aller Rechte und Pflichten der Erbschaft“.

Die Mitglieder der Erbengemeinschaft werden Gesamteigentümer der Erbschaftsgegenstände. Die Erben müssen daher sämtliche Verfügungs- und Verwaltungshandlungen grundsätzlich gemeinsam wahrnehmen. Erforderlich ist dazu eine Einstimmigkeit. Sämtliche Rechtsgeschäfte, aber auch jedes faktische Handeln, das Erbschaftsgegenstände betrifft, bedürfen einer Einigung sowie des gemeinsamen Vorgehens sämtlicher Erben.

Dies führt bei Meinungsverschiedenheiten unter den Erben oftmals zu einer Handlungsunfähigkeit der Erbengemeinschaft. Dies ist insbesondere der Fall, wenn sich die Erben über die Art und Weise der Verwaltung der Erbschaft uneinig sind oder sich aufgrund persönlicher Umstände keine gemeinsame Basis ergibt. Für diesen Fall hat Art. 602 ZGB die Möglichkeit vorgesehen, dass einzelne Erben beim zuständigen Nachlassgericht die Einsetzung eines Erbenvertreters verlangen können. Wird ein Erbenvertreter gerichtlich ernannt, ist dieser befugt, über die Nachlassobjekte zu verfügen und Verwaltungshandlungen im Interesse aller Erben zu treffen. Der Erbenvertreter kann auch für die Erbengemeinschaft gerichtliche Prozesse führen. Dadurch wird die Vorbereitung der Erbteilung erleichtert und einzelne Erben können vor weiteren Schäden bewahrt werden, denn der Erbenvertreter ist verpflichtet, alle Massnahmen und Anordnungen zu treffen, welche die Erhaltung der Erbschaftsgegenstände erforderlich machen, nötigenfalls auch ein Verkauf.

Der vom Gericht eingesetzte Erbenvertreter muss die fachlichen und persönlichen Voraussetzungen erfüllen, welche dieses Amt erfordert.

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