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Kündigung erhalten und dann krank – Gültigkeit der Kündigung, Kündigungsfrist und Lohnfortzahlung

09.03.2015 06:56

Kuendigung KrankheitStefanie Rohr, MLaw Rechtsanwältin

Eine Kündigung während krankheitsbedingter Abwesenheit ist gemäss Art. 336c OR grundsätzlich nichtig. Wie sieht es nun aus, wenn die Kündigung am Tag vor der krankheitsbedingten Abwesenheit beim Arbeitnehmer eintrifft? Verlängert sich die Kündigungsfrist?

Gültigkeit der Kündigung
Grundsätzlich ist die Kündigung bei Empfang vor der krankheitsbedingten Abwesenheit gültig. Die Kündigung ist empfangsbedürftig, d.h. der Arbeitnehmer muss lediglich davon Kenntnis nehmen. Für Arbeitgeber empfiehlt es sich, die Kündigung jeweils eingeschrieben an die Arbeitnehmerin zu versenden.

Zur Verlängerung der Kündigungsfrist wegen Krankheit (Art. 336c Abs. 2OR):
Nach Art. 336c OR verlängert sich die Kündigungsfrist bei krankheitsbedingter Abwesenheit. Der Gesetzgeber sieht diese Lösung vor, weil die Kündigungsfrist zur Arbeitsuche genutzt werden soll. Ist ein Arbeitnehmer krank, verhindert dies eine produktive Stellensuche. Aus diesem Grund wurde eine Sperrfrist eingeführt. Die Sperrfrist ist die Zeit, um welche sich die Kündigungsfrist bei krankheitsbedingter Abwesenheit verlängert. Die Dauer der Sperrfrist ist vom Dienstjahr der Arbeitnehmerin abhängig.

Im ersten Anstellungsjahr beträgt die maximale Sperrfrist 30 Tage. Vom zweiten bis fünften Dienstjahr beträgt die maximale Verlängerung 90 Tage und ab dem sechsten Dienstjahr 180 Tage. Die Kündigungsfrist verlängert sich in jedem Fall aber nur so lange, wie die Arbeitnehmerin ihre Arbeitsunfähigkeit mittels Arztzeugnis nachweisen kann, und das Arbeitsverhältnis endet dann auf das Monatsende.

Zur Lohnfortzahlungspflicht (Art. 324a OR):
Nach der Basler Skala besteht eine Lohnfortzahlungspflicht im ersten Dienstjahr für drei Wochen ab dem zweiten bis dritten Dienstjahr für neun Wochen und ab dem vierten bis zehnten Dienstjahr für dreizehn Wochen.

Ist die Arbeitnehmerin innerhalb des Dienstjahres mehrmals krank, werden diese Krankheitstage zusammengerechnet (Beispiel: bei einer krankheitsbedingten Abwesenheit im ersten Dienstjahr von einer Woche im Februar, zwei Wochen im April und einer Woche im Juni besteht für den Arbeitgeber im Juni keine Lohnfortzahlungspflicht mehr, da schon drei Wochen „verbraucht“ worden sind). Die Lohnfortzahlung ist also grundsätzlich kumulativ. Achtung: massgebend für die Lohnfortzahlungsdauer ist das Dienstjahr und nicht das Kalenderjahr. Jedes Dienstjahr löst eine neue Lohnfortzahlungsfrist aus. Je nachdem hat die Arbeitnehmerin somit zwar eine verlängerte Kündigungsfrist, jedoch keine Lohnfortzahlungsanspruch mehr, wenn die Lohnfortzahlungspflicht des Arbeitgebers im betreffenden Dienstjahr bereits erfüllt wurde. In jedem Fall ist der Lohn maximal bis Ende der um die Sperrfrist verlängerten Kündigungsfrist geschuldet.

Die Berechnung der Kündigungsfrist und die davon unabhängig zu berechnende Lohnfortzahlungspflicht sind je nach Anstellungsverhältnis nicht ohne Tücken. Eine frühzeitige Beratung kann Kosten und Nerven auf beiden Seiten ersparen.

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