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Der Verwaltungsrat in der Krisensituation „Euro“

09.03.2015 06:47

Uhr mit EurosM. Strobel, Rechtsanwalt

Ein Unternehmen kann aus unterschiedlichsten Gründen in eine Krise geraten. Und unterschiedlichste Symptome können Anzeichen einer Krise sein. Gemäss Schweizerischem Obligationenrecht hat der Verwaltungsrat einer Aktiengesellschaft unübertragbare und unentziehbare Aufgaben: Unter anderem die Oberleitung der Gesellschaft, die Festlegung der Organisation und die Finanzplanung. Daraus ergibt sich die Pflicht, sich anbahnende Krisen zu erkennen und notwendige Massnahmen zu ergreifen. Die Vernachlässigung dieser Pflicht kann die Mitglieder des Verwaltungsrates unter Umständen hohen persönlichen Risiken aussetzen.

Im Zusammenhang mit der durch den bekannten Entscheid der Nationalbank zur Freigabe des Eurowechselkurses hervorgerufenen „Krise“ stellen sich für den Verwaltungsrat beispielsweise Fragen wie: War eine solche Entwicklung eigentlich nicht hervorsehbar? Falls ja, in welchem Umfange und zu welcher Zeit? Hätte man Vorkehrungen treffen müssen bzw. können?

Solange sich durch nun eingeführte Massnahmen eine Krise abwenden oder zumindest mindern lässt, können solche Fragen vielleicht zurzeit unbeantwortet gelassen werden. Sollte das Unternehmen jedoch durch die Wechselkursverhältnisse in eine schwere Krise geraten, sieht die Situation gegebenenfalls anders aus. In dem Falle dürfte es entscheidend sein, dass der Verwaltungsrat sich spätestens nach dem Entscheid der Nationalbank ein konkretes Bild möglicher Krisen – Szenarien gemacht und entsprechende konkrete Massnahmen eingeleitet oder zumindest als vorbehaltene Entschlüsse vorbereitet hat. Mit der Anpassung der Arbeitszeiten der Mitarbeiter dürfte es dann nicht getan sein.

Der Dokumentation über die Entscheidfindung des Verwaltungsrates und die getroffenen Beschlüsse kommt in dem Zusammenhang entscheidende Bedeutung zu.

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