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Und schon wieder das Billet weg

13.11.2014 09:36

Auto ueberholmanoeverEs dürfte sich in der Zwischenzeit, zumindest im Kanton Aargau, herumgesprochen haben, dass derjenige seinen Führerausweis aufs Spiel setzt, der auf der Autobahn rechts überholt. Bei der Frage, was Rechtsüberholen überhaupt ist, gehen die Meinungen jedoch auseinander. Hier eine Auslegeordnung, die für das Fahren auf Autobahnen gilt.

Zunächst gilt, dass unter Rechtsüberholen nicht nur das klassische Rechtsüberholen verstanden wird, also wenn jemand von der linken Spur auf die rechte Spur ausschert, dann an einem Auto auf der rechten Seite vorbeifährt, um nachher wieder auf die linke Spur einzuscheren. Der Tatbestand des Rechtsüberholens ist auch dann erfüllt, wenn man lediglich an einem Auto rechts vorbei fährt, selbst wenn man sich dann später wieder hinter das bereits überholte Auto zurückfallen lässt, auch ohne Ausschwenken und/oder Wiedereinbiegen. Vom Verbot des Rechtsüberholens auf Autobahnen gibt es folgende Ausnahmen:

• beim Fahren in parallelen Kolonnen (Anmerkung: Ein paar Autos hintereinander sind noch keine parallele Kolonne!)
• auf Einspurstrecken, sofern für die einzelnen Fahrstreifen unterschiedliche Fahrziele signalisiert sind
• auf dem Beschleunigungsstreifen von Einfahrten bis zum Ende der Doppellinien-Markierung
• auf dem Verzögerungsstreifen von Ausfahrten

Die Folge des Rechtsüberholens auf der Autobahn ist zunächst ein Strafbefehl der Staatsanwaltschaft. Für die meisten Autofahrer ist aber der darauffolgende durch das Strassenverkehrsamt angeordnete Führerausweisentzug das grössere Übel. Und nachdem das Bundesgericht in ständiger Rechtsprechung davon ausgeht, dass es sich beim Rechtsüberholen um eine schwere Verkehrsregelverletzung handelt, beträgt die Mindestentzugsdauer drei Monate, ohne Wenn und Aber.

Wer nun aber das Gefühl hat, einfach chronisch links fahren zu müssen, ohne die Spur für nachfolgende schnellere Fahrzeuge freizugeben, bekommt es auch mit der Staatsanwaltschaft zu tun; allerdings wird dieser Fahrer – zumindest vorderhand noch – in der Regel wegen einfacher Verkehrsregelverletzung bestraft.

Rudolf Studer
LL.M., Rechtsanwalt

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