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Probleme beim Übersetzen von englischen Vertragstexten

05.09.2014 06:01

Do you speak englishVor allem exportorientierte Unternehmen finden sich oft in der Situation wieder, dass der ausländische Käufer angelsächsisch strukturierte Verträge zur Unterzeichnung vorlegt. Solche Verträge sehen in der Regel auch vor, dass das Original in Englisch für Interpretationsfragen massgeblich ist. Übersetzungen dienen bloss als Verständnishilfen. Diese angelsächsische Struktur ist „Mode“ geworden und wird je länger desto mehr auch auf Verträge nach lokalem Recht angewandt.

Dem richtigen Verständnis von in englischer Sprache abgefassten Vertragsklauseln kommt eine zentrale Bedeutung zu. Unter anderem schon bei der unternehmensinternen Risikoanalyse vor Vertragsschluss. Falsche Interpretation von englischen Vertragstexten kann zu desaströsen (u. a. finanziellen) Resultaten führen, wenn es beispielsweise zwischen den Vertragsparteien zu Streitigkeiten kommt.

Einige Vertragsklauseln, die vor diesem Hintergrund in der Praxis von Bedeutung sind, sind unter anderen:

Die Präambel (Recitals, „Whereas – Klauseln): Der Sinn und Zweck des Vertrages wird hier dokumentiert. Die Präambel wird als Grundlage und ausdrücklicher Bestandteil des Vertrages bezeichnet und kann zu einer entscheidenden Interpretationshilfe für ein Gericht werden. Sie wird in der Schweiz oft unterschätzt.

Time is of the essence: Damit wird erklärt, dass das Einhalten von vereinbarten Terminen absolut wichtig ist. Vertraglich definierte Termine werden damit in der Regel zu sogenannten Fix-Terminen, was eine Inverzugsetzung mittels Nachfrist überflüssig macht. Mit dem Nichteinhalten des Termins gerät man ohne weiteres in Verzug.

Including but not limited to: Die Übersetzung lautet “einschliesslich”. Including würde damit eigentlich aus deutschsprachlicher Sicht auf den ersten Blick genügen. Im Englischen ist es aber entscheidend, das „but not limited to“ anzufügen, da sonst zu wenig klar ist, ob die nachfolgende Aufzählung abschliessend oder nicht abschliessend gemeint ist.

Heikel können auch falsche Übersetzungen oder das unrichtige Verständnis von Begriffen wie Warranty, Guarantee, Penalty, Liquidated Damages oder Consequential Damages sein.

Vor Vertragsunterzeichnung lohnt es sich auf jeden Fall sicherzustellen, dass absolute Klarheit über das richtige Verständnis eines englischen Vertragstextes besteht. Wird ein Übersetzer engagiert, so ist sicherzustellen, dass er über das notwendige juristische Verständnis verfügt. Dies alleine genügt allerdings nicht in allen Fällen, da eine an und für sich richtige Übersetzung noch nicht sicherstellt, dass der Zusammenhang durch die verantwortlichen Mitarbeiter auch richtig verstanden wird. Bei Unsicherheiten wird daher die Prüfung durch einen entsprechend erfahrenen Anwalt empfohlen.

M. Strobel, Rechtsanwalt

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